Dohlen im Garten scheinen nicht besonders beliebt zu sein, viele Gartenbesitzer verscheuchen diese hübschen Rabenvögel (einschließlich meiner Nachbarn). Woran das liegen könnte? Vielleicht an den „unheimlichen“ hellen, bläulichen Augen oder es liegt uns vielleicht noch in den Genen, denn früher galten Rabenvögel als Unglücksboten und waren oft die Begleitvögel der sogenannten Hexen.

Dabei sind Dohlen die intelligenteste und faszinierende Art der Rabenvögel. Zwar ist die Dohle der kleinste Vertreter seiner Art, aber das macht sie mit ihrer Gewitztheit und einem intensivem Sozialleben wieder wett. Dohlenpärchen bleiben meist nicht nur ihr Leben lang zusammen, auch den Tag verbringen sie in der Regel gemeinsam. Sie sind fast immer als Pärchen unterwegs (außer während der Brutzeit natürlich). Dohlen sind sehr lernfähig und lassen sich sehr gut an den Menschen gewöhnen.

Meine Dohlenpärchen im heimischen Garten (3-4 Paare) waren anfangs extrem scheu. Man brauchte nur am Fenster stehen und schon waren sie weg. Nach über einem Jahr intensiven Füttern mit Nüssen, Mehlwürmern und anderen Leckereien legte sich die Scheu ganz langsam. Mittlerweile kann man auch in den Garten gehen und wird dann von der Tanne aus genauestens beäugt ob Nachschub an den Futterplatz gebracht wird.

Letzten Sommer gab es dann zum ersten Mal Kontakt aus der Nähe und eine der Dohlen gesellte sich am Abend mit auf die Terrasse und saß in 2 Metern Entfernung auf der Lehne des Gartenstuhls, schaute mich musternd an und erzählte etwas, was ich leider nicht verstanden habe. Mein Universalübersetzer war leider defekt 🙂

Wie bei vielen anderen Vogelarten ist auch der Dohlenbestand rückläufig. Dohlen benötigen zum Brüten höhere, alte Bäume, Felsen oder Häuser die entsprechende Brutmöglichkeiten bieten. Da diese Möglichkeiten immer weniger werden, ist die Dohle mittlerweile in den meisten Bundesländern auf der roten Liste bzw. auf der Vorwarnliste. Nicht umsonst wurde die Dohle 2012 zum „Vogel des Jahres“ gewählt.

Wenn Ihr also ein Dohlenpärchen in Eurem Garten sichtet, verscheucht sie nicht, sondern füttert Sie mit Nüssen und Mehlwürmern! Und das natürlich nicht nur im Winter, sondern ganzjährig, dass sollte selbstverständlich sein.
Wenn sich die Dohlen einmal an einen Futterplatz gewöhnt haben, werden sie es mit regelmäßigen Besuchen danken und für viele schöne Momente im Garten sorgen. Glaubt es mir.