Der Vogel des Jahres 2018 ist ein Star!

Wie ja die meisten schon wissen, wurde der Star zum Vogel des Jahres gewählt. Leider ist die Wahl zum Vogel des Jahres meist mit einem bitteren Beigeschmack verbunden. In diesem Fall ist es der extreme Rückgang dieses Allerweltsvogels, zumindest war er das noch vor ein paar Jahren. Manche mögen sich noch an die riesigen Schwärme zur Herbstzeit erinnern, wenn sich alle Stare zum Flug in das Winterquartier in wärmere Gefilde verabredet hatten.
Oder auch an die Starennetze über den Kischbäumen zum Schutz der Ernte. Heute brauchen sich die Gärtner in den meisten Regionen keine Sorgen mehr um ihre Früchte zu machen, denn es gibt ja kaum noch Stare die der Ernte gefährlich werden können.

Woran liegt das?
Ganz einfach, am noch extremeren Rückgang der Insketenpopulation.

Und woran liegt das?
Auch ganz einfach: Schaut Euch die Felder und die Randstreifen an.
Randstreifen? Richtig, es gibt kaum noch welche auf denen entsprechende Wildblumen oder Wildkräuter wachsen. Die Felder sind meist bis zum letzten Quadratmeter mit unattraktivem Getreide, Mais oder Raps gefüllt. Unattraktiv zumindest für die Insekten, nicht für die Geldbeutel der Landwirte (Ja, ich weiß, das Leben als Landwirt ist auch kein Zuckerschlecken mehr).
Schaut Euch auch die Gärten an, alles ist pflegeleicht: Steine, Mulch und Folien.
Kaum Totholz, kaum ungemähter Rasen und oft nur noch exotische Pflanzen die schön aussehen, aber keinen Nährwert für die Insekten- und Vogelwelt darstellen. Wenn ich ein Insekt wäre, würde ich auch Selbstmord begehen, wenn ich mir die meisten Nachbarsgärten hier so ansehe.

Was hat das mit dem Rückgang der Stare zu tun?
Noch einfacher: Keine Randstreifen mit blühenden Wildblumen bedeutet auch weniger Insekten. Von den ganzen Pestiziden und Pflanzenschutzmitteln möchte ich hier gar nicht erst reden.
Stare ernähren sich zwar nicht nur von Insekten, sondern auch gerne von verschiedenen Obstarten, aber wenn eine komplette Nahrungslinie zu 80% wegfällt, läßt sich das nur sehr schwer kompensieren.

Ein weiterer Punkt sind die mangelnden Möglichkeiten zum Nisten. Bevorzugt werden Baumhöhlen oder Felspalten. Mal ganz ehrlich, wo gibt es die denn noch? Alte Bäume mit Löchern verschandeln doch die Landschaft oder stellen eine Gefahr für Jogger dar und werden heutzutage gefällt, oder? Staren-Nistkästen hängen sich leider auch die wenigsten Menschen in ihren Garten oder ans Haus.

Ich könnte jetzt noch viele Seiten über die Verschandelung der Natur zum vermeintlichen Wohle der Menschheit schreiben, aber das erspare ich mir hier. Wahrscheinlich würden es sowieso nur die bis zum Ende lesen, die bereits jetzt schon etwas tun um die Natur zu schützen.

Apropos schützen? Was kann ich als Einzelperson eigentlich machen, um nicht nur den Staren, sondern auch sehr vielen anderen Vogelarten zu helfen?

Auch ganz einfach: Überlasst doch Euren Garten (oder wenigstens Teile davon) einfach mal der Natur. Denn die weiß im Gegensatz der meisten Menschen was sie tut! Unkraut gibt es nicht, jede einheimische Pflanze erfüllt ihren Zweck im Kreisauf der Natur! Ob als Nahrung für Insekten oder als Schutz für Tiere.
Natürlich funktioniert das nicht sofort oder innerhalb von wenigen Wochen/Monaten, oft vergehen Jahre bis die Natur sich der ganzen Exoten aus dem Baumarkt entledigt hat und das Saatgut von einheimischen Pflanzen durch z.B. Vogelkot den Weg in den eigenen Garten gefunden hat. Für Reinheits- und Optikfanatiker ist das natürlich nichts, die sollen auch weiterhin in ihren grünen Wüsten namens Garten sitzen und sich wundern das ja auf dem vermeintlich ungepflegten Nachbarsgrundstück die vielen bunten Schmetterlinge und Vögel zu Hause sind. Aber vielleicht wollen die das ja auch so? Schließlich sind Insekten ja Ungeziefer und die Vögel könnten ja ihren Darm auf ihre Designer-Gartenauflagen entleeren.

Eines möchte ich Euch noch mit auf den Weg geben:
Seit mein Garten viele natürliche (Nichtwissende sagen auch ungepflegte) Bereiche hat, bin ich zum Einen nicht mehrmals die Woche mit Unkraut zupfen, Rasen mähen oder sonstwas beschäftigt und zum Anderen sehe ich auf einmal Arten die ich schon seit meiner Kindheit vor 30 Jahren nicht mehr gesehen habe. Dazu zählen verschiedenste Schmetterlingsarten (Ja, hier im Garten gibt es unter anderem Brennesseln als Raupenfutterquelle), Wildbienen und Erdhummeln (Ja, hier gibt es Steinhaufen, Südhänge die nicht gemäht werden und Insektenhotels), eine große Igelfamilie (Ja, hier gibt es Totholzhaufen), jedes Jahr entstehen mindestens 30 neue Leben für die Vogelwelt (Ja, hier hängen überall Nistkästen und stehen alte Bäume mit Nistmöglichkeiten) und natürlich Nahrung für Tausende Insekten (Ja, hier gibt es eine sehr nektarreichen Blumenwiese).

Wie groß der Garten ist? Der „natürliche“ Bereich ist deutlich unter 1.000 qm.

Jeeeeeder, aber wirklich auch Jeder kann etwas unternehmen, um in seiner Region etwas für den Erhalt der Insektenwelt, der Vogelwelt und ingesamt für die Natur zu tun.
Warum? Habt ihr Kinder? Spätestens diese werden es Euch in 20 Jahren danken, dass sie nicht 25 Euro für 1 Kilo Äpfel oder sonstiges Obst ausgeben müssen, weil die Bäume jetzt per Hand bestäubt werden müssen, wie jetzt schon in China.

Wenn Ihr oder Eure Kinder sich in 50-100 Jahren einen Flug auf einen Exo-Planeten in unserem Universum leisten könnt, kann Euch dieser Artikel allerdings auch egal sein. Die Zerstörung der Natur auf dem „frischen“ Planeten zieht sich bestimmt  100-200 Jahre hin, ähnlich wie bei uns. Da habt Ihr genug Zeit Euer Leben ohne Rücksicht auf Verluste zu leben.

Das Fazit der Storie:
Augen und Ohren auf. Schaut einfach mal eine Minute nicht auf Euer Smartphone und seht was in Eurer unmittelbaren Umgebung gerade passiert! Und vor allem bildet Euch eine eigene Meinung und hört nicht immer auf die Medien!
Jeder kann etwas tun um die Natur zu erhalten.
So genug gemeckert, hier mal ein paar Bilder vom Vogel des Jahres 2018, der Star unter den Vögeln. Hoffentlich kann ich auch die nächsten Jahre solche Bilder machen. Übrigens sind alle in meinem Garten entstanden.

Benutzte Ausrüstung:
Canon DSLR (APS-C Sensor),
Tamron G2 150-600 mm
Canon 4,0/600 mm
Alle Aufnahmen mit ISO 800 – 6.400
Stativ

Fotograf & Copyright: Jörn Gebhardt
www.joerngebhardt.de
Facebookseite

 

Kontakt