Wölfe in Deutschland – Na und?

Aktuell (Ende November 2018) gehen mal wieder diverse Gerüchte von „grauenhaften“ Wolfsbegegnungen durch die Presse und die sozialen Medien. Es ist zwar nicht das erste Mal, aber in diesem Fall soll sogar ein Friedhofsgärtner (also ein Mensch und nicht „nur“ Nutzvieh) von einem Wolf in die Hand gebissen worden sein. Das wäre das erste Mal in der Gechichte seit Rötkäppchen. Es fällt mir als Naturfotograf wirklich sehr schwer objektiv zu bleiben, wie dieser Artikel bestimmt auch zeigt, aber ich versuche trotzdem mal einige Fakten für die „Nicht Naturinteressierten Städtebewohner“ unter uns mit einzuflechten.

Mal ehrlich, was soll das? Wer schreibt solch unrecherierten Artikel? Soll das die Auflagenhöhe der noch wenigen verbliebenen Printmedien steigern oder die Klickzahlen und Likes verschiedener Seiten im Internet und auf sozialen Medien in die Höhe treiben? Wenn es nur dies wäre, würde ich mich wenigstens nicht wundern, denn dann geht es um Kommerz und simples Geld verdienen, wie fast immer.
Aber mittlerweile mache ich mir ernsthaft Sorgen, denn diese Meldungen schüren in den meisten, „normalen“ Menschen Ängste. Die wenigsten unter uns hinterfragen ja eine Meldung, wenn diese von angeblich seriösen Medien verbreitet werden, wird es schon stimmen, oder? Was sind schon Fake News? Wer ist Donald Trump? Selbst in der „Tageschau“ auf ARD und auf „HEUTE“ im ZDF gab es diese Meldung (Diese beiden Sender sah ich zumindest bisher immer als relativ seriös an). Bis heute gibt es allerdings keine Gegendarstellung. Na klar wurde die Meldung mit „angeblich“ und „eventuell“ rechtlich einwandfrei vorgetragen, um auf der sicheren Seite zu sein. Aber wer hört denn diese kleinen, teilweise sehr nebensächlich eingestreuten  Wörter? Fast Niemand! Das hat mit Sicherheit mit der Denkweise des Homo Sapiens, der Verknüpfung verschiedenen Synapsen im Gehirn und mit Urängsten zu tun, aber da ich weder Mediziner noch Psychologe bin, erspare ich Euch hier weitere Vermutungen.

Hier mal die aktuellen Fakten:

28.11.2018
Wie diverse Medien berichten (unter anderem die Süddeutsche Zeitung in 500 km Entfernung) wurde erstmals in der Bundesrepublik Deutschland ein Mann in der Nähe von Rotenburg-Wümme von einem Wolf gebissen! Der Artikel ist geschmückt mit „offenbar“ und „mutmaßlich“. Das eigentlich Manko an der Geschichte ist, dass die Polizei den Angriff bestätigt hat, allerdings halt nur mutmaßlich (wer hat dieses dämliche Wort wohl erfunden, die Presse?). Also um es mal in normale Worte zu übersetzen: Nichts ist bewiesen, es könnte auch ein Dackel oder Eichhörnchen gewesen sein.
Schlimm ist nur das im weiteren Verlauf des Artikels (ohne eventuell und mutmaßlich) auf einmal von „weiteren Wölfen des Rudels in seiner Nähe“ berichtet wird. Liebes Redaktionsteam, bitte überarbeitet diesen Artikel! Rechtlich einwandfrei ist das bestimmt nicht!
Hier geht es übrigens zum Artikel, schaut einfach selber: zum Artikel Süddeutsche

28.11.2018
Die FAZ: Momentan die einzige Nachricht, die relativ harmlos ist. Es fängt an mit „Möglicherweise“ und am Ende „es gibt keine weiteren Zeugen“. Keine Sensation, einfach nur eine Meldung geschrieben wie sie über den Ticker kam. Geht doch! Danke an die FAZ!

29.11.2018
Die BILD Zeitung macht es sich noch einfacher (wie mutmaßlich immer?), die schreiben einfach das ein Gemeindemitarbeiter von einem Wolf gebissen wurde, ohne mutmaßlich und eventuell. Für die BILD Zeitung steht es scheinbar fest, dass es ein Wolf war. Als Nebenüberschrift heißt es in dem Link auch gleich: „Wenn der Wolf dem Mensch zu nahe kommt“ (siehe Link). Schön ist aber, dass der Mitarbeiter nach Behandlung der Bisswunde seine Arbeit gleich wieder aufnehmen konnte. Kompliment für die Einsatzbereitschaft und gute Besserung! Ohne Worte und Kommentar meinerseits.
Hier der Artiel dazu: Artikel BILD Zeitung

29.11.2018
Mein „Lieblings-Sender“ RTL macht es noch besser. Headline: „Mann in Niedersachsen gebissen: So verhält man sich einem Wolf gegenüber“. Nicht nur das es scheinbar fest steht das es ein Wolf war, RTL gibt natürlich auch gleich „schlaue“ Ratschläge wie man sich Wölfen gegenüber verhält. Ich weiß nicht woher diese Ratschläge stammen, aber eventuell haben die Gebrüder Grimm damit zu tun, R.I.P). Am Ende des Artikels geht es natürlich um die Abschußquoten von Wölfen, wie ja von der Unionsfraktion (CDU/CSU) des Bundestages gefordert wird. Vielleicht hat ja dies unter anderem mit dem extremen Absturz in der Wählergunst zu tun? Natürlich nur mutmaßlich und eventuell meinerseits…
Hier der Artikel von RTL
Und noch der Artikel zum Abschuß der Wölfe (CDU/CSU)

Die ganzen anderen aktuellen Artikel die wieder mal vorgekramt werden, wie: „Was tun wenn der Wolf kommen?“ und so weiter erspare ich mir hier mal. Einfach mal mal bei Google und Co. schauen.  Die Macht der „großen“ Medien sind enorm und erreichen natürlich durch ihre Präsenz im Fernsehen, Internet und den sozialen Medien meiner Meinung nach bestimmt mindestens 80% unserer Bevölkerung. Die meisten davon verlassen sich auf solche Nachrichten, ohne diese zu hinterfragen, denn sie werden in der Regel als seriös und gut recheriert erachtet. Wer kommt schon auf die Idee das der Redakteur vielleicht gerade Stress mit seiner Frau/Freundin, Mann/Freund hat und dem Bericht nicht ganz so akribisch wie sonst nachgeht? Natürlich nur mutmaßlich meinerseits, versteht sich, oder?

Selbst in meiner Freundesliste gibt es 2 „Freunde“ die solch dämlichen Artikel posten und meinen damit die Angst vor Wölfen weiter zu schüren (Warum? Keine Ahnung! Schwere Kindheit? Angst vor Hunden?) und verbreiten Unsinnigkeiten über die Gefahr die von diesen Tieren ausgeht. Warum entferne ich die nicht von meiner Freundesliste? Ganz klar, die Meinung aller Freunde  sind mir wichtig, außerdem lache ich sehr gerne.

Aus der Sicht eines sehr naturverbundenen und tierliebenden Menschen, zu dem ich mich übrigens zähle und der schon als Kleinkind Fliegen vom Küchenfenster mit einem Glas und einem Stück Papier gerettet und die Freiheit entlassen hat, kann ich nur folgendes sagen: Als Naturfotograf der so unendlich viele Tierarten in freier Wildbahn beobachten und durch die Kamera dokumentieren durfte, fällt es mir sehr schwer zu glauben, dass ein Friedhofsgärtner der seine Hand nach hinten hält, auf einmal von einem Wolf in die Hand gebissen wurde. Ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen, aber dann bitte mit Fakten und nicht mit Mutmaßungen die durch die Presse wandern.
Der DNA Test ist in Arbeit und ich hoffe das das entsprechende Institut, welches den DNA Test durchführt nicht in irgendeiner Art und Weise von einer Partei oder ähnlichem abhängig ist, als Ergebniss das einzig Wahrscheinliche zu Kunde gibt, nämlich das es ein Hund war! Oder ein Eichhörnchen? Sorry, lieber Friedhofsgärtner für den Witz!

 

 

 

 

 

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