Vögel im Portrait:
Der Buntspecht
Der Trommler unserer Wälder
Mit seinem kontrastreichen Gefieder und dem charakteristischen Trommeln gehört der Buntspecht zu den bekanntesten Vögeln unserer Wälder. Erfahre, woran Du Männchen und Weibchen unterscheidest, wo Du ihn beobachten kannst und wie Dir spannende Aufnahmen bei der Nahrungssuche oder am winterlichen Futterplatz gelingen.
Titelbild: Buntspecht — J. Gebhardt
Der Buntspecht im Portrait – der Trommler unserer Wälder
Ein schnelles Trommeln hallt durch den Wald. Wenig später hörst Du ein kurzes, kräftiges „Kix“, und irgendwo am Stamm einer alten Buche oder Eiche bewegt sich etwas. Mit seinem schwarz-weißen Gefieder und den leuchtend roten Farbakzenten gehört der Buntspecht zu den auffälligsten Vögeln unserer Wälder. Trotzdem ist er nicht immer leicht zu entdecken. Häufig sitzt er auf der Rückseite eines Baumstamms und verschwindet genau dann, wenn Du die Kamera auf ihn richtest.
Der Buntspecht ist die häufigste Spechtart Deutschlands und kommt nicht nur in Wäldern vor. Auch in Parks, auf Friedhöfen und in naturnahen Gärten kannst Du ihn beobachten. Für Naturfotografen ist er ein interessantes Motiv, denn sein Verhalten bietet weit mehr Möglichkeiten als das klassische Bild eines Spechts am Baumstamm.
Bunspecht im Blätterwald
Canon R7, Sigma Sports 60-600 mm @600 mm, f/6,3, 1/400 s, ISO 5.000
Kurzportrait
Art: Buntspecht (Dendrocopos major)
Größe: etwa 23–26 cm, ungefähr amselgroß
Lebensraum: Laub-, Misch- und Nadelwälder, Parks, Friedhöfe und größere Gärten mit alten Bäumen
Beste Beobachtungszeit: ganzjährig, besonders auffällig im Frühjahr und an winterlichen Futterplätzen
Typische Merkmale: kontrastreiches schwarz-weißes Gefieder, große weiße Schulterflecken und leuchtend rote Unterschwanzdecken
Nahrung: Insekten und deren Larven, Samen, Nüsse und andere pflanzliche Nahrung
Fotografische Schwierigkeit: häufig in Bewegung, oft teilweise vom Stamm verdeckt, wechselnde Lichtverhältnisse
Buntspecht am winterlichen Futterplatz
Canon 7D MK II, Sigma Sports 60-600 mm @483 mm, f/6,3, 1/2.000 s, ISO 640
Woran Du den Buntspecht erkennst
Der Buntspecht ist durch sein kontrastreiches Gefieder relativ einfach zu bestimmen. Besonders auffällig sind die großen weißen Schulterflecken, die schwarzen Flügel mit weißen Zeichnungen und die kräftig roten Unterschwanzdecken.
Männchen und Weibchen unterscheiden sich vor allem an der Kopfzeichnung. Das Männchen besitzt einen roten Fleck am Hinterkopf, während dieser beim erwachsenen Weibchen vollständig fehlt. Jungvögel tragen dagegen eine rote Kopfplatte, die mit zunehmendem Alter verschwindet.
Verwechslungen sind vor allem mit dem Mittelspecht möglich. Dieser besitzt unter anderem eine auffällige rote Kopfplatte und eine andere Gesichtszeichnung. Auch der seltenere Kleinspecht ähnelt dem Buntspecht, ist allerdings mit etwa 14–16 cm deutlich kleiner.
Charakteristisch ist außerdem der wellenförmige Flug. Mit einigen schnellen Flügelschlägen gewinnt der Buntspecht an Höhe, legt die Flügel kurz an und sinkt dabei etwas ab, bevor die nächste Schlagserie folgt.
Buntspecht an der Eiche
Canon R7, Sigma Sports 60-600 mm @600 mm, f/6,3, 1/400 s, ISO 4.000
Wo Du den Buntspecht beobachten kannst
Buntspechte sind ausgesprochen anpassungsfähig. Du findest sie in vielen Waldtypen, sofern ausreichend Bäume zur Nahrungssuche und geeignete Stämme für den Höhlenbau vorhanden sind.
Besonders interessant sind ältere Wälder mit einem gewissen Anteil an Totholz. Dort leben zahlreiche Insekten und Käferlarven, nach denen der Buntspecht mit seinem kräftigen Schnabel sucht.
Aber auch große Gärten mit alten Obstbäumen, strukturreiche Parks und Friedhöfe bieten gute Beobachtungsmöglichkeiten. Dort sind die Vögel teilweise weniger scheu als in abgelegenen Waldgebieten.
Im Winter lohnt sich außerdem ein Besuch an einem gut angelegten Futterplatz. Besonders Fettfutter, ungesalzene Nüsse und Sonnenblumenkerne werden von Buntspechten angenommen.
Verhalten: Trommeln, Hämmern und die Spechtschmiede
Wer einen Buntspecht beobachtet, wird schnell feststellen, dass er seinen Schnabel für ganz unterschiedliche Aufgaben einsetzt.
Mit kräftigen Schlägen bearbeitet er Baumrinde und morsches Holz, um darunter verborgene Insekten und Larven zu erreichen. Dabei entstehen oft kleine Holzsplitter, die beim Hämmern durch die Luft fliegen – ein interessantes Motiv für schnelle Bildserien.
Das bekannte Trommeln dient dagegen vor allem der Kommunikation. Besonders im Frühjahr markieren Buntspechte damit ihre Reviere und machen auf sich aufmerksam. Dafür nutzen sie gerne trockene, gut klingende Äste. Manchmal werden sogar andere resonanzfähige Gegenstände verwendet.
Eine weitere Besonderheit ist die sogenannte Spechtschmiede. Der Buntspecht klemmt Zapfen oder Nüsse in geeignete Spalten der Baumrinde und bearbeitet sie anschließend mit seinem Schnabel, um an die Samen oder Kerne zu gelangen.
Findest Du unter einem Baum größere Mengen bearbeiteter Zapfen, kann das ein Hinweis auf eine regelmäßig genutzte Spechtschmiede sein. Solche Stellen bieten mit etwas Glück interessante Beobachtungen.
Buntspecht im Hartriegel Gebüsch
Canon RP, Tamron G2 150-600 @600 mm, f/6,3, 1/1.000 s, ISO 3.200
Fototipps für den Buntspecht
Buntspechte sind keine besonders großen Vögel. Deshalb sind Brennweiten zwischen 400 und 600 mm in vielen Situationen hilfreich. In Parks oder an Futterplätzen können auch kürzere Brennweiten ausreichen.
Die größte Herausforderung besteht häufig darin, den Vogel frei sichtbar zu fotografieren. Buntspechte bewegen sich geschickt um den Stamm herum und verschwinden immer wieder auf dessen Rückseite.
Hier hilft Geduld. Statt dem Vogel ständig hinterherzulaufen, beobachtest Du besser seine Bewegungen und wartest, bis er wieder auf Deiner Seite des Stammes erscheint.
Ein kleiner Perspektivwechsel kann viel bewirken. Wenn Du möglichst seitlich auf den Stamm fotografierst, wird die Körperform des Spechts besser sichtbar. Auch der rote Hinterkopf des Männchens kommt dann häufig schön zur Geltung.
Für ruhig sitzende Buntspechte können Verschlusszeiten um 1/500 bis 1/1000 Sekunde ausreichen. Möchtest Du dagegen den Moment des Hackens einschließlich umherfliegender Holzsplitter einfrieren, sind 1/1600 Sekunde oder kürzer oft sinnvoll.
Achte außerdem auf die Belichtung. Die Kombination aus tiefschwarzem und weißem Gefieder kann bei direkter Sonne schwierig werden. Besonders die weißen Schulterflecken sollten noch Zeichnung besitzen.
Sehr schöne Aufnahmen entstehen bei weichem Seitenlicht. Es betont die Struktur der Baumrinde und lässt das Gefieder plastischer wirken.
Buntspecht am Futterplatz
Canon R7, Canon EF 4,0 / 600 mm, f/4,5, 1/1.000 s, ISO 1.600
Buntspechte am winterlichen Futterplatz
Im Winter gehören Buntspechte zu den besonders attraktiven Besuchern an Futterplätzen. Während Meisen oft nur kurz landen, bleiben Buntspechte manchmal länger und lassen sich gut beobachten.
Ein alter, möglichst natürlich wirkender Baumstumpf oder ein kräftiger Ast eignet sich hervorragend als Ansitz. Besonders schön sind bemooste Stämme, deren Struktur einen angenehmen Kontrast zum schwarz-weißen Gefieder bildet.
Wenn Du das Futter geschickt und hygienisch platzierst, kannst Du den Specht beim Anflug, beim Klettern oder beim kurzen Verweilen am Stamm fotografieren, ohne dass der eigentliche Futterplatz im Bild sichtbar sein muss.
Gerade an solchen Standorten lohnt es sich, regelmäßig zu fotografieren. Mit der Zeit lernst Du, aus welcher Richtung die Spechte kommen und welche Stellen sie bevorzugen.
Rücksicht beim Fotografieren
Auch wenn Buntspechte häufig vorkommen, solltest Du besonders während der Brutzeit auf ausreichend Abstand achten.
Buntspechte bauen ihre Bruthöhlen selbst. Dazu bearbeiten sie geeignete Baumstämme und schaffen eine Höhle, in der später die Jungen aufgezogen werden.
Solche Brutplätze sollten nicht für Fotoaufnahmen belagert werden. Besonders problematisch wird es, wenn Altvögel durch die Anwesenheit eines Fotografen beim Anflug an die Höhle gestört werden.
Viel besser sind Aufnahmen bei der natürlichen Nahrungssuche oder an geeigneten Beobachtungsplätzen abseits der Brutstätte.
Übrigens sind alte Höhlen später auch für andere Tiere wertvoll. Verschiedene Vogelarten und andere Waldbewohner nutzen verlassene Spechthöhlen als Unterschlupf oder Brutplatz.
Buntspecht an seiner Spechtschmiede
Canon R7, Sigma Sports 60-600 mm, f/6,3, 1/400 s, ISO 1.000
Fazit
Der Buntspecht ist ein wunderbares Motiv für die heimische Naturfotografie. Er ist weit verbreitet, ganzjährig zu beobachten und bietet mit seinem Verhalten zahlreiche fotografische Möglichkeiten.
Ob beim Hämmern am Baumstamm, an einer Spechtschmiede oder am winterlichen Futterplatz, es lohnt sich, diesem Vogel etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
Und manchmal reicht es schon, beim nächsten Waldspaziergang stehen zu bleiben und genauer hinzuhören. Vielleicht verrät Dir das charakteristische Trommeln bereits, wo sich Dein nächstes Fotomotiv versteckt.
Text & Fotos: Jörn Gebhardt
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