Naturfotografie auf Sylt – Der Norden

Sylt – die Insel der Schönen und Reichen? Mag sein, so viele habe ich davon allerdings bisher nicht gesehen, bzw. nicht darauf geachtet, da die Natur auf jeden Fall sehenswerter ist. Sylt hat einiges zu bieten, einsame Strände, ein einmaliges Licht, die Dünen, die typische Tierwelt der Nordseeküsten und vor allem Weite und nochmals Weite. Die unendlichen Motive und das ständig wechselnde Licht lassen das Herz eines jeden Naturfotografen höher schlagen. Und das Beste an der Sache: Wenn man mal nicht fotografiert kann man sehr gut Essen gehen oder einfach mal die Seele baumeln lassen. Erholung und Arbeit gleichzeitig, was will man als Fotograf mehr?

Ich habe die Reisetipps über Sylt in Nord und Süd eingeteilt. Alles oberhalb von Westerland habe ich dem Norden zugeordnet und widmet sich diesem Artikel.

Der Ellenbogen
Die nördlichste Spitze Deutschlands, der sogenannte Ellenbogen, ist ein Eldorado für Landschaftsfotografen. Weitläufige Strände an denen selbst in der Hochsaison kaum ein Mensch zu finden ist, die Dünen, die Brandung und natürlich die beiden Leuchttürme und die vielen Schafe prägen das Bild. Der Ellenbogen ist Privatbesitz und es ist eine Mautgebühr für die Straße fällig, aktuell sind es 6 Euro. Es hält sich also in Grenzen. Dafür darf man den ganzen Tag von Morgens bis Abends Fotos machen oder sich Erholen. Für die kommerzielle Nutzung ist übrigens das Einverständniss der Besitzer nötig, nur mal ganz nebenbei.
Es gibt mehrere Pflicht-Locations am Ellenbogen, eine davon ist direkt am ersten Leuchtturm. Dort Parken und über die ausgeschilderten Wege direkt zum Strand laufen, das sind keine 500 Meter. Der Strand dort ist meist leer und in Verbindung mit dem Dünengras kann man hier tolle Landschaftsbilder machen. Außerdem kann man von dort auch die Fischkutter Ein- und Auslaufen sehen, die meist im Lister Hafen gestartet sind. Ja nach Wind und Wetter kann die Brandung recht heftig sein.
Der zweite Leuchtturm ist ein paar Kilometer weiter die Straße rauf. Am besten fährt man die Straße bis zum Ende und parkt dort auf dem großen Parkplatz. Dann hat man die Möglichkeit von dort aus die Spitze zu umwandern. Von dort aus hat man eine gute Sicht auf den Lister Hafen und vor allem auf die Halbinsel Uthörn. Mit etwas Glück sieht man dort Seehunde auf der Sandbank dösen. Eine Brennweite von mindestens 800mm ist leider nötig. Wer sich für Schiffe interessiert kann auch die Autofähre sehen, die von der dänischen Insel Rømø in Richtung List und zurück fährt. An der Spitze findet man sehr viele Seevögel, die beste Zeit dafür ist das Frühjahr oder der Herbst. Am häufigsten anzutreffende Vogelarten sind neben den Möwen die Gruppe der Lemikolen, Seeschwalben und viele andere. Auch dafür ist eine Brennweite von mindestens 600mm empfehlenswert.
Für die weitläufigen Landschaften sollte man natürlich ein Weitwinkel dabei haben, ab 24 mm ist okay, besser ist 20mm oder darunter (auf Vollformat bezogen). Bei blauem Himmel mit weißen Wolken ist ein Polfilter hilfreich.

Link Google Maps – Leuchtturm West

Link Google Maps – Leuchtturm Ost


Die Lister Wanderdünen
Direkt an die Wanderdünen kommt man nur mit einer Führung. Aber auch von weiter weg sind die Dünen imposant anzusehen und vor allem auch zu fotografieren. Am besten fährt man dazu Richtung List und biegt einige Kilometer vor dem Ort links ab in Richtung Ellenbogen. Auf der schmalen Straße gibt es einige Möglichkeiten kurz anzuhalten und die Dünen von der Westseite her zu fotografieren.

Link Google Maps


Lister Hafen und Umgebung
Am Lister Hafen kann man nicht nur sehr leckere Fischbrötchen essen, sondern auch sehr gut Fotografieren. Im Sommer 2016 nistete eine Möwe sehr dicht am Weg zum Hafen und ich konnte das Füttern der Jungen beobachten und ablichten. Vom Hafen aus gibt es einen Weg in Richtung Ellenbogen, von der man die Halbinsel Uthörn sehr gut sehen kann. Wie schon erwähnt tummeln sich hier mit etwas Glück einige Seehunde. Aber auch direkt im Hafenbecken taucht ab und zu mal ein Seehund auf. Für die Seefesten unter den Fotografen kann ich die Tour zu den Seehundbänken empfehlen, bei gutem Wetter und mit etwas Glück lassen sich vom Schiff aus schon mit 400 mm sehr gute Aufnahmen von den Seehunden auf den Sandbänken machen.

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Braderuper Heide
Man soll es nicht vermuten, aber auf Sylt gibt es eine klassische Heidelandschaft, die der Lüneburger Heide in nichts nachsteht, außer vielleicht der Größe. Zu erreichen ist die Heide entweder von einem Parkplatz von Braderup aus oder besser vom Parkplatz an der Landstraße in Richtung Kampen. Der einmalige Blick über eine Heidelandschaft in Richtung Wattenmeer auf der Ostseite ist ein unvergesslicher Anblick. Wer den großen Rundwanderweg nimmt, kann auch sehr schön den dritten Leuchtturm von Sylt ablichten, den Kampener Leuchtturm. Übrigens der einzige in Schwarz-Weiß auf der Insel.

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Die nördliche Westküste / Rotes Kliff Kampen
Grundsätzlich ist die Sylter Westküste immer einen Besuch wert, egal ob im Norden oder im Süden. Die kilometerlangen Strände laden zum Entdecken ein. Eine der schönsten Ecken zur Zeit des Sonnenuntergangs ist neben dem Ellenbogen das Rote Kliff bei Kampen. Vom Parkplatz aus kann man direkt zum Strand runtergehen und von dort das rote Kliffgestein bewundern, durch die rote Färbung der untergehenden Sonne wirken die Farben noch intensiver als sie schon von Natur aus sind.
Wenn man den oberen Weg auf dem Kliff nimmt, kommt man an der höchsten Erhebung Sylts vorbei, der Uwe Düne. Von hier aus hat man einen schönen Blick über einen Großteil der Insel. Rein fotografisch zwar eher langweilig, lohnt sich der Aufstieg auf die knapp 53 Meter Höhe aber trotzdem.
Am Abend kommen Unmengen von Möwen und andere Seevögel um sich am Strand einen Schlafplatz zu suchen, da die Vögel Menschen gewohnt sind kommt man mit 300mm Brennweite schon zu ordentlichen Fotos.

Google Maps – Uwe Düne
Google Maps – Parkplatz Rotes Kliff
Google Maps – Rotes Kliff

 


Autor, Fotograf & Copyright: Jörn Gebhardt
www.joerngebhardt.de
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