Zur Hischbrunft auf dem Darß

Der Darß gehört zur Halbinsel Fischland-Darß-Zingst im Norden von Mecklenburg-Vorpommern direkt an der Ostsee. Wie an so vielen Orten im Osten Deutschlands ist die Natur noch relativ unberührt und viele Landstriche wurden unter Schutz gestellt. Der Darß gehört zum Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft und genießt damit eine der höchsten Schutzstufen für Naturschutzgebiete.
Trotz der strengen Auflagen ist es als Besucher gestattet den Nationalpark auf den Wegen zu erkunden und seine Schönheit zu bestaunen. Besonders im Nordwestlichen Bereich, über dem Darßer Urwald findet man jedes Jahr zum Herbst ein in Deutschland einmaliges Motiv: Röhrende Hirsche am Strand vor dem Meer.

Dieses einmalige Ereignis zieht jedes Jahr wieder viele Naturfotografen an und dementsprechend voll kann es an den Hotspots auch mal werden. Die beste Reisezeit ist ca. vom 20.09. bis 10.10..  Je nach Wetter beginnt die Brunft mal ein paar Tage später oder früher. Trotz der sehr guten Beobachtungsmöglichkeiten durch Türme und Plattformen ist wie immer in der Naturfotografie Geduld gefragt. Auch das Wetter spielt eine Rolle. In den letzten Jahren war es Ende September/Anfang Oktober fast immer schön in der Region und sogar relativ sonnig. Die vom Spätsommer noch aufgewärmte Ostsee ermöglicht meist ein ungetrübtes Fotoerlebnis, es sei denn es wird neblig.

Die besten Plätze für spektakuläre Fotos ist der der Übergang vom Nothafen in Richtung Strand oder dem Rundweg folgend auf der gegenüberliegenden Seite am Aussichtsturm. Da diese Plätze auch bei anderen Fotografen sehr beliebt sind, muss man schauen das man einen guten Platz ergattert. Aber Naturfotografen sind ja meist sehr kommunikativ und nett, so dass ein zusammenrücken in der Regel kein Problem darstellt.

Die Entfernung zu den Hirschen variiert, von manchmal 50 Metern bis zu mehreren hundert Meter ist alles möglich. Von daher ist eine Brennweite von mindestens 600 mm nötig um wirklich gute Fotos machen zu können. Aber auch mit 400 mm sind brauchbare Fotos möglich, man muss halt nur etwas Glück haben.

Wichtig ist es den richtigen Moment abzupassen und die Reaktion des Platzhirsches beim Vertreiben der Jungspunde vorauszuahnen. Oft werden die Jüngeren durch das Schilf getrieben und preschen mit Schwung in die Wasserflächen. Das hochspritzende Wasser gibt dann ein tolles Motiv ab.

Am Aussichtssturm entlang des Rundwegs hat man die einzige Möglichkeit einen röhrenden Hirsch vor der See zu erwischen. An allen anderen Orten verhindern die Dünen eine freie Sicht auf das Wasser. Aber auch hier kann es dauern bis der Hirsch mit seinem Harem vorbeikommt. Mit Glück hat man das Motiv gleich am ersten Tag im Kasten, meistens sind aber mehrere Besuche nötig um dieses Traummotiv zu erhalten.

Beim Warten auf das Rotwild gibt es nebenbei noch viele andere Motive zu fotografieren. Ich hatte im letzten Herbst die Möglichkeit Kolkraben, Zaunkönig, Braunkehlchen, Reiher, Schwäne, Kraniche, Rotkehlchen, Seeadler, Gänsesäger, diverse Strandläufer, Möwen, Eisvogel und noch viele weitere Arten quasi nebenbei abzulichten. Es lohnt sich also auf jeden Fall die Augen offen zu halten.

Wer nur für die Hirschbrunft auf dem Darß übernachten möchte, dem sei der Ort Prerow zu empfehlen. Von hier aus hat man den besten Startpunkt um in den Nationalpark zu gelangen. Ob nun mit der Darßbahn, mit dem Fahrrad oder zu Fuß.

Noch ein kleiner Hinweis an die Freunde von großen und schweren Objektiven: Die Wege sind oft lang und selbst wenn man sich mit der Darßbahn oder der Pferdekutsche bis zum Nothafen bringen lässt, sind es noch einige Kilometer bis zur gewünschten Location. Es sei denn man möchte am Nothafen verweilen, dann sind es nur ca. 500 Meter. Ich bin im letzten Jahr mit knapp 20 kg Gepäck an jedem Tag fast 10 km durch den Nationalpark gelaufen. Da weiß man Abends was man getan hat 🙂

 

Benutzte Ausrüstung:
Canon DSLR (APS-C Sensor),
meist Tamron G2 150-600 mm, teilweise mit 1,4x Konverter
Sigma 5,6/ 300-800 mm, diverse Normal und Weitwinkelobjektive, Stativ
Olympus E-M1, meist Olympus 300 mm, diverse Weitwinkel- und Normalobjektive.
Alle Aufnahmen mit ISO 400 – 6.400
Stativ

Fotograf & Copyright: Jörn Gebhardt
www.joerngebhardt.de
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