Pilzfotografie im Herbst

Pilze sind kleine Welten am Waldboden und bieten im Herbst, aber auch zu anderen Jahreszeiten, faszinierende Motive für stimmungsvolle Naturfotos. Mit tiefer Perspektive, weichem Licht und etwas Geduld entstehen Bilder, die den Wald aus einer ganz neuen Sicht zeigen.

Titelbild: J. Gebhardt

naturfotografie.de - Online Magazin

Pilze fotografieren – kleine Welten am Waldboden

Pilze sind dankbare Fotomotive. Sie laufen nicht weg, verstecken sich selten im letzten Moment und warten geduldig, bis Du Stativ, Kamera und Einstellungen sortiert hast. Dafür haben sie andere Eigenheiten: Sie wachsen gerne an dunklen Stellen, stehen oft mitten im Laub und befinden sich meistens genau dort, wo man für eine gute Perspektive ziemlich weit nach unten muss.

Gerade im Herbst lohnt sich deshalb der Blick auf den Waldboden. Zwischen Moos, Blättern, morschem Holz und Wurzeln findest Du eine enorme Vielfalt an Formen und Farben. Vom kleinen Helmling bis zum auffälligen Fliegenpilz ist fast alles dabei.

Und das Beste: Für interessante Pilzfotos brauchst Du weder seltene Arten noch besonders spektakuläre Motive. Oft reichen ein sauberer Bildaufbau, gutes Licht und eine tiefe Perspektive.

Nicht nur im Herbst interessant

Pilze werden meist mit September und Oktober verbunden. Das ist auch völlig berechtigt, denn nach feuchten Perioden ist die Auswahl dann oft besonders groß.

Aber Pilze findest Du nicht nur im Herbst. Je nach Wetter und Standort gibt es auch im Frühjahr und Sommer interessante Arten. Baumpilze, Porlinge und Pilze an Totholz kannst Du teilweise fast das ganze Jahr entdecken.

Es lohnt sich also auch außerhalb der klassischen Pilzsaison, beim Waldspaziergang nach unten zu schauen.

Naturfotografie.de - Blog - Pilze mit Makroobjektiv

Helming (unbestimmt)
Canon RP, Sigma ART 1,8/18-35 mm @35 mm, f/2, 1/250 s, ISO 250, Stativ

Die Perspektive macht den Unterschied

Einer der häufigsten Fehler bei Pilzfotos ist die Aufnahme von oben. Das ist zwar bequem, wirkt aber oft eher dokumentarisch.

Interessanter wird es, wenn Du möglichst tief fotografierst. Auf Augenhöhe mit dem Pilz wirkt selbst ein kleiner Fruchtkörper deutlich größer und plastischer. Moos und Laub können dann als Vordergrund dienen und der Hintergrund wird automatisch ruhiger.

Ein Klappdisplay oder ein Aufstecksucher sind dabei sehr hilfreich. Wer schon einmal versucht hat, mit der Kamera direkt über dem Boden durch den Sucher zu schauen, weiß, warum.

Eine kleine Unterlage für Knie oder Ellenbogen gehört für mich bei solchen Touren fast schon zur Standardausrüstung. Manchmal sogar eine große ISO-Matte. Der Waldboden ist im Herbst selten trocken.

Naturfotografie.de - Blog -Pilze fotografieren - pespektive beachten

Rehbrauner Dachpilz
Canon RP, Sigma ART 1,4 / 20 mm, f/1,4, 1/250 s, ISO 400, Stativ, Fokus-Stacking aus 42 Bildern

Welches Objektiv eignet sich?

Ein Makroobjektiv ist für Pilze eine sehr gute Wahl. Brennweiten um 90 oder 100 mm bieten eine angenehme Arbeitsdistanz und erlauben schöne Detailaufnahmen.

Aber ein Makro ist kein Muss. Mit einem normalen Teleobjektiv kannst Du Pilze sehr schön freistellen. Der Hintergrund wird weich und störende Strukturen verschwinden schneller in der Unschärfe.

Auch ein Weitwinkel mit guter Naheinstellgrenze kann interessant sein. Damit zeigst Du den Pilz stärker in seiner Umgebung. Das eignet sich besonders für größere Exemplare oder Gruppen, wenn Du gleichzeitig etwas vom Wald mit ins Bild nehmen möchtest.

Die Brennweite hängt also davon ab, was Du zeigen willst: Detail, Freistellung oder Lebensraum.

Naturfotografie.de - Blog -Pilze fotografieren - Equipment - Stative - Objektive

Unterwegs mit dem Sigma ART 1,8 / 18-35 mm (links) und dem Sigma 2,8 / 150 mm Makro. Stativ mit umgekehrter Mittelsäule.

Licht im Wald

Der Waldboden ist oft dunkel. Das ist nicht unbedingt schlecht, denn weiches Licht passt sehr gut zu Pilzen.

Bewölkte Tage sind deshalb oft ideal. Die Kontraste bleiben moderat und Farben wirken gleichmäßig.

Schwieriger wird es bei direkter Sonne. Wenn Lichtflecken durch das Blätterdach fallen, können Pilzhut und Hintergrund schnell sehr unterschiedliche Helligkeiten bekommen.

Ein kleiner Diffusor oder Abschatter kann hier helfen. Oft reicht sogar die eigene Hand, um einen störenden Sonnenfleck kurzfristig abzuschirmen.

Auch ein Reflektor oder eine kleine LED Leuchte können sinnvoll sein, um etwas Licht unter den Pilzhut zu bringen. Gerade Lamellen oder Stiele liegen oft im Schatten.

Weniger ist dabei meistens mehr. Pilze müssen nicht wie im Fotostudio ausgeleuchtet werden.

Naturfotografie.de - Blog -Pilze fotografieren - Licht - LED-Leuchten - Reflektoren

Parasol Pilz
Canon RP, Canon 1,8 / 35 mm Makro, LED Ringlicht zur Aufhellung

Stativ oder aus der Hand?

Pilze bewegen sich normalerweise nicht. Das spricht eindeutig fürs Stativ.

Mit einem Stativ kannst Du niedrigere ISO-Werte nutzen, stärker abblenden und längere Belichtungszeiten einsetzen. Außerdem lässt sich der Bildausschnitt deutlich genauer bestimmen.

Das Problem: Viele Stative kommen nicht tief genug herunter.

Ein spezielles Makrostativ (Säule umkehrbar), ein kleines Bodenstativ oder ein Bohnensack können deshalb sehr praktisch sein. Auch eine Kamera direkt auf einer stabilen Unterlage funktioniert meist erstaunlich gut. Am besten nutzt du den Timer (mind. 2 Sekunden), um beim Auslösen die Aufnahme nicht zu verwackeln.

Aus der Hand geht natürlich auch. Gerade wenn Du spontan unterwegs bist und nicht viel Ausrüstung tragen möchtest, kannst Du mit Bildstabilisator und etwas höherer ISO sehr gute Ergebnisse erzielen.

Naturfotografie.de - Blog -Pilze fotografieren - Freihand oder Stativ

Steifstieliger Mürbling
Olympus E-M5, Olympus 1,8 / 17 mm, f/3,5, 1/125 s, ISO 200, Freihand

Schärfentiefe bewusst einsetzen

Im Nahbereich ist die Schärfentiefe sehr gering. Das merkst Du bei Pilzen schnell.

Bei offener Blende kann schon der vordere Hutrand scharf sein, während der Rest deutlich verschwimmt. Das kann sehr schön aussehen, muss aber zum Motiv passen.

Wenn Du mehr vom Pilz scharf zeigen möchtest, solltest Du etwas abblenden. Blenden um f/5,6 bis f/11 sind häufig sinnvoll.

Mit zunehmender Blendenzahl verlängert sich allerdings die Belichtungszeit. Auch deshalb ist ein Stativ praktisch.

Du musst übrigens nicht zwanghaft versuchen, alles scharf zu bekommen. Gerade Pilzfotos leben oft von einer gezielten Schärfeebene und einem weichen Umfeld.

Fokus-Stacking für mehr Schärfe

Wenn Du sehr nah fotografierst und trotzdem viel Schärfentiefe möchtest, kannst Du Fokus-Stacking einsetzen. Viele Kameras unterstützen diese Funktion bereits von Haus aus. Einige setzten die Aufnahme in der Kamera bereits zusammen und du hast ein fertiges JPG. Wenn die Kamera das nicht unterstützt, müssen die Aufnahmen später zusammengefügt werden. Ich nutze dazu Helicon Focus Pro. Ein sehr umfangreiches Stackingprogramm mit vielen Einstellungsmöglichkeiten und Top Ergebnissen. Aber auch mit Photoshop und diversen Freeware Programmen ist dies möglich.

Dabei machst Du mehrere Aufnahmen mit leicht verschobenem Fokus. Später werden die Bilder am Rechner zu einer Aufnahme zusammengesetzt.

Das funktioniert bei Pilzen besonders gut, weil sich das Hauptmotiv nicht bewegt.

Problematisch wird es nur, wenn Gräser, Blätter oder kleine Zweige im Wind schwanken. Dann kann das Zusammenfügen schwieriger werden.

Für normale Pilzfotos ist Fokus-Stacking aber kein Muss. Es ist eher eine zusätzliche Möglichkeit für Detailaufnahmen.

Naturfotografie.de - Blog -Pilze fotografieren - Fokus Stacking

Schopftintling
Canon M6 MK II, Sigma 2,8 / 150 mm Makro, f/2,8, 1/200 s, ISO 160, Stativ, Fokus-Stacking aus 22 Einzelbildern

Der Hintergrund ist fast genauso wichtig wie der Pilz

Pilze wachsen selten vor einem perfekten Hintergrund. Häufig liegen helle Blätter, Äste oder andere störende Elemente direkt dahinter.

Deshalb lohnt es sich, vor der Aufnahme ein paar Zentimeter nach links oder rechts zu gehen. Schon kleine Veränderungen können den Hintergrund deutlich verbessern.

Achte besonders auf helle Flecken. Sie ziehen den Blick schnell vom Pilz weg.

Eine offene Blende oder eine längere Brennweite hilft zusätzlich dabei, den Hintergrund ruhiger zu bekommen.

Auch der Vordergrund kann bewusst eingesetzt werden. Unscharfes Moos oder Laub gibt dem Bild Tiefe und lässt die Aufnahme natürlicher wirken.

Nicht alles „aufräumen“

Es ist verlockend, rund um den Pilz erst einmal aufzuräumen. Blatt weg, Zweig weg, Moos zurechtrücken.

Ein bisschen Ordnung ist okay, aber übertreiben solltest Du es nicht.

Zum einen sieht ein komplett freigeräumter Pilz schnell künstlich aus. Zum anderen lebt im Waldboden deutlich mehr, als man auf den ersten Blick sieht.

Lose Blätter kannst Du vorsichtig zur Seite legen, wenn sie direkt das Motiv verdecken. Aber größere Eingriffe sind nicht nötig. Das Bild darf ruhig zeigen, wo der Pilz wächst.

Naturfotografie.de - Blog -Pilze fotografieren - Nicht aufräumen und alles ordentlich hinterlassen

Eichen-Milchling
Canon RP, Sigma ART 1,8/18-35 mm @18 mm, f/6,3, 1/20 s, ISO 100, Stativ

Pilzgruppen fotografieren

Mehrere Pilze zusammen können besonders interessant sein. Kleine Gruppen wirken schnell wie eine Miniaturlandschaft.

Dabei solltest Du auf die Anordnung achten. Wenn sich Pilze ungünstig überdecken, kann das Bild unruhig wirken.

Schon ein kleiner Wechsel der Kameraposition kann helfen.

Es ist sinnvoll, einen Pilz als Hauptmotiv festzulegen und die anderen als Ergänzung zu nutzen.

Besonders schön wirken Gruppen mit unterschiedlichen Größen. Dadurch entsteht automatisch mehr Tiefe.

Farben nutzen

Pilze bringen im Herbst viel Farbe in den Wald.

Rot, Orange, Braun, Gelb und Grün lassen sich gut kombinieren. Ein Fliegenpilz vor grünem Moos ist ein Klassiker, funktioniert aber eben auch deshalb so gut, weil die Farben einen starken Kontrast bilden.

Bei der Bearbeitung würde ich eher zurückhaltend vorgehen. Pilze brauchen keine extrem gesättigten Farben.

Etwas Kontrast, eine leichte Anpassung der Weißbalance und gezielte Aufhellung reichen oft schon.

Auch unscheinbare Pilze sind interessant

Es müssen nicht immer Fliegenpilze sein.

Kleine braune Pilze, Baumpilze, Porlinge oder Pilze auf morschem Holz bieten oft interessantere Strukturen als die auffälligen Klassiker.

Gerade bei Makroaufnahmen spielen Formen, Lamellen, Oberflächen und kleine Details eine große Rolle.

Auch alte oder beschädigte Pilze können spannend sein. Ein angefressener Hut oder ein verwitterter Fruchtkörper erzählt mehr über den Lebensraum als ein perfektes Exemplar.

Naturfotografie.de - Blog -Pilze fotografieren - Unscheinbare Pilze an Baumstämmen

Häublinge
Canon R7, Sigma ART 1,8/18-35 mm @18 mm, f/2, 1/160 s, ISO 640, Stativ

Pilze bestimmen – Vorsicht bei Apps und Fotos!

Nach dem Fotografieren kommt oft die Frage: Was ist das eigentlich?

Bei manchen Arten ist die Bestimmung relativ einfach. Bei vielen anderen allerdings nicht.

Pilze können sich stark ähneln. Für eine sichere Bestimmung reichen Fotos oft nicht aus. Merkmale wie Geruch, Sporenfarbe, Lamellenansatz oder Standort können wichtig sein.

Für die Fotografie ist das kein Problem. Du kannst einen Pilz auch schön finden, ohne seinen vollständigen Namen zu kennen.

Wenn es ums Sammeln oder Essen geht, sieht das natürlich anders aus. Dafür solltest Du Dich niemals nur auf eine App oder eine Bildbestimmung verlassen.

Rücksicht am Waldboden

Auch bei Pilzen gilt: Motiv und Umgebung möglichst so hinterlassen, wie Du sie vorgefunden hast.

Pilze nicht versetzen, nicht herausreißen und keine größeren Flächen betreten, nur um einen bestimmten Blickwinkel zu bekommen.

Gerade Moosflächen und weicher Waldboden reagieren empfindlich auf häufiges Betreten.

Wenn Du mit Stativ arbeitest, lohnt es sich, auch auf die Position der Stativbeine zu achten.

Für ein gutes Foto sollte nicht anschließend rund um den Pilz alles plattgetreten sein.

Bildideen für Deine nächste Pilztour

Du kannst Dir beim nächsten Waldbesuch ein paar einfache Aufgaben stellen: einen Pilz möglichst tief fotografieren, eine kleine Gruppe mit viel Umgebung zeigen, Lamellen von unten aufnehmen, einen Pilz im Gegenlicht suchen oder bewusst mit unscharfem Vordergrund arbeiten.

Auch Details von Baumpilzen, Tropfen auf Pilzhüten oder Pilze im Moos sind gute Motive.

So wird aus einer einfachen Pilztour schnell eine kleine fotografische Übung.

Naturfotografie.de - Blog -Pilze fotografieren - Bildideen - Froschperspektive

Rehbrauner Dachpilz
Canon RP, Sigma ART 1,4 / 20 mm, f/1,4, 1/250 s, ISO 400, Stativ, Fokus-Stacking aus 24 Bildern

Fazit

Pilze sind ideale Motive, wenn Du in Ruhe gestalten möchtest. Sie bieten Formen, Farben, Strukturen und viele Möglichkeiten, mit Perspektive und Schärfe zu spielen.

Du brauchst dafür keine besondere Ausrüstung und auch keine seltene Art. Eine Kamera, ein passendes Objektiv und ein genauer Blick reichen oft schon aus.

Und falls Du normalerweise hauptsächlich Tiere oder Vögel fotografierst, ist Pilzfotografie eine gute Abwechslung. Vor allem, weil das Motiv ausnahmsweise einmal nicht wegfliegt, während Du noch an der ISO drehst.

Text & Fotos: Jörn Gebhardt

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